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Leben in der Stadt (08.09.2025)

Samuel Rettig

© Grüne Fraktion Ulm

Ulm ist eine lebenswerte Stadt mit einer attraktiven und vielfältigen Innenstadt. Gerade in den kommenden Jahren, in denen viele notwendige Baustellen das Bild prägen werden, müssen wir sicherstellen, dass die Innenstadt für Bürgerinnen und Bürger, für das Umland und auch für Touristinnen und Touristen spannend und einladend bleibt.
Eine lebendige Innenstadt bedeutet zugleich auch eine sichere Innenstadt. Sicherheit entsteht dort, wo Menschen sich aufhalten, miteinander ins Gespräch kommen, Kultur erleben und den öffentlichen Raum gemeinsam nutzen. Mehr Leben auf den Straßen ist die bessere Antwort, als auf reine Überwachungskonzepte und private Streifen zu setzen.
Andere Städte machen es vor: Regensburg hat mit einem Modellprojekt verlängerte Ausgehzeiten getestet – mit positiven Ergebnissen, die inzwischen fest etabliert sind. Auch der Ulmer Innenstadtbeirat konnte sich im November 2024 vor Ort ein Bild davon machen. München und Saarbrücken wiederum haben mit sogenannten Sommerstraßen Straßenräume für einige Wochen neugestaltet: Autos mussten weichen, dafür entstanden Plätze zum Verweilen, Spielen, für kleine Kulturaktionen und Begegnung. Die Resonanz war durchweg positiv – von den Nachbarschaften wie auch von den Besucherinnen und Besuchern.

Auf dieser Grundlage schlagen wir zwei Pilotprojekte für das Jahr 2026 vor:

Zum einen ein „lebendiges Wochenende“ im Juni, an dem Veranstaltungen in der Innenstadt ausnahmsweise bis Mitternacht stattfinden können. Straßenfeste, Open-Airs, kleinere Konzerte und Außengastronomie sollen leichter möglich sein. Wichtig ist, dass die Genehmigungsverfahren unkompliziert gestaltet werden und Verwaltung, Veranstaltende und Gastronomie gemeinsam anpacken. Im Anschluss folgt ein bewusst ruhiges Wochenende, an dem keine größeren Veranstaltungen genehmigt werden. So entsteht ein fairer Ausgleich: Wer Lust auf Stadtleben hat, weiß, wann er auf seine Kosten kommt – und wer Ruhe sucht, ebenso.

Zum anderen schlagen wir die Einrichtung von Sommerstraßen vor. Ein bis zwei Straßenzüge – zum Beispiel Pfauengasse oder Fischergasse – könnten für zwei bis drei Wochen im Sommer temporär umgestaltet werden. Die Straßen werden für den Durchgangsverkehr gesperrt und mit Sitzgelegenheiten, Pflanzen und konsumfreien Angeboten ausgestattet. Auch eine zusätzliche Belebung der bereits bestehenden Fußgängerzone in der Hafengasse wäre denkbar. Ferienzeiten wie die Pfingstferien bieten sich an, da das Verkehrsaufkommen dort niedriger ist. Entscheidend: Es geht um (konsumfreie) Aufenthaltsqualität und Kultur, nicht um Partymeilen!
Beide Projekte sollen eng vom Innenstadtbeirat begleitet werden, in dem Stadträtinnen und Stadträte, Vertreterinnen und Vertreter von Handel, Gastronomie und Bürgerschaft gemeinsam beraten. Die Evaluation könnte mit externer Unterstützung, zum Beispiel durch das Citymarketing, erfolgen. Dabei sollen Anwohnende, Gastronomie, Veranstaltende und Verwaltung eingebunden und ihre Erfahrungen ausgewertet werden.

Mit den vorgeschlagenen Pilotprojekten „Lebendiges Wochenende“ und „Sommerstraßen“ kann Ulm 2026 erproben, wie eine attraktive, sichere und lebenswerte Innenstadt weiterentwickelt werden kann – mit mehr Raum für Begegnung und Kultur, ohne die Bedürfnisse der Anwohnenden zu vergessen. Wir bitten die Verwaltung, die Machbarkeit dieser Projekte zu prüfen, geeignete Orte und Zeiträume vorzuschlagen, die Beteiligung über den Innenstadtbeirat sicherzustellen und dem Gemeinderat einen Beschlussvorschlag zur Umsetzung vorzulegen.