Leben in der Stadt (08.09.2025)
© Grüne Fraktion Ulm
Ulm ist eine lebenswerte Stadt mit einer attraktiven und
vielfältigen Innenstadt. Gerade in den kommenden Jahren, in denen viele
notwendige Baustellen das Bild prägen werden, müssen wir sicherstellen, dass
die Innenstadt für Bürgerinnen und Bürger, für das Umland und auch für
Touristinnen und Touristen spannend und einladend bleibt.
Eine lebendige Innenstadt bedeutet zugleich auch eine
sichere Innenstadt. Sicherheit entsteht dort, wo Menschen sich aufhalten,
miteinander ins Gespräch kommen, Kultur erleben und den öffentlichen Raum
gemeinsam nutzen. Mehr Leben auf den Straßen ist die bessere Antwort, als auf
reine Überwachungskonzepte und private Streifen zu setzen.
Andere Städte machen es vor: Regensburg hat mit einem
Modellprojekt verlängerte Ausgehzeiten getestet – mit positiven Ergebnissen,
die inzwischen fest etabliert sind. Auch der Ulmer Innenstadtbeirat konnte sich
im November 2024 vor Ort ein Bild davon machen. München und Saarbrücken
wiederum haben mit sogenannten Sommerstraßen Straßenräume für einige Wochen
neugestaltet: Autos mussten weichen, dafür entstanden Plätze zum Verweilen,
Spielen, für kleine Kulturaktionen und Begegnung. Die Resonanz war durchweg
positiv – von den Nachbarschaften wie auch von den Besucherinnen und Besuchern.
Auf dieser Grundlage schlagen wir zwei Pilotprojekte für das
Jahr 2026 vor:
Zum einen ein „lebendiges Wochenende“ im Juni, an dem
Veranstaltungen in der Innenstadt ausnahmsweise bis Mitternacht stattfinden
können. Straßenfeste, Open-Airs, kleinere Konzerte und Außengastronomie sollen
leichter möglich sein. Wichtig ist, dass die Genehmigungsverfahren
unkompliziert gestaltet werden und Verwaltung, Veranstaltende und Gastronomie
gemeinsam anpacken. Im Anschluss folgt ein bewusst ruhiges Wochenende,
an dem keine größeren Veranstaltungen genehmigt werden. So entsteht ein fairer
Ausgleich: Wer Lust auf Stadtleben hat, weiß, wann er auf seine Kosten kommt –
und wer Ruhe sucht, ebenso.
Zum anderen schlagen wir die Einrichtung von Sommerstraßen vor. Ein bis zwei Straßenzüge – zum Beispiel Pfauengasse oder Fischergasse –
könnten für zwei bis drei Wochen im Sommer temporär umgestaltet werden. Die
Straßen werden für den Durchgangsverkehr gesperrt und mit Sitzgelegenheiten,
Pflanzen und konsumfreien Angeboten ausgestattet. Auch eine zusätzliche
Belebung der bereits bestehenden Fußgängerzone in der Hafengasse wäre denkbar.
Ferienzeiten wie die Pfingstferien bieten sich an, da das Verkehrsaufkommen
dort niedriger ist. Entscheidend: Es geht um (konsumfreie) Aufenthaltsqualität und Kultur, nicht um Partymeilen!
Beide Projekte sollen eng vom Innenstadtbeirat begleitet werden, in dem Stadträtinnen und Stadträte, Vertreterinnen und
Vertreter von Handel, Gastronomie und Bürgerschaft gemeinsam beraten. Die
Evaluation könnte mit externer Unterstützung, zum Beispiel durch das
Citymarketing, erfolgen. Dabei sollen Anwohnende, Gastronomie, Veranstaltende
und Verwaltung eingebunden und ihre Erfahrungen ausgewertet werden.
Mit den vorgeschlagenen Pilotprojekten „Lebendiges
Wochenende“ und „Sommerstraßen“ kann Ulm 2026 erproben, wie eine attraktive,
sichere und lebenswerte Innenstadt weiterentwickelt werden kann – mit mehr Raum
für Begegnung und Kultur, ohne die Bedürfnisse der Anwohnenden zu vergessen.
Wir bitten die Verwaltung, die Machbarkeit dieser Projekte zu prüfen, geeignete
Orte und Zeiträume vorzuschlagen, die Beteiligung über den Innenstadtbeirat
sicherzustellen und dem Gemeinderat einen Beschlussvorschlag zur Umsetzung vorzulegen.