KI-gestützten Müllfahrzeugen (07.10.2025)
© Gruene Fraktion Ulm
Die Qualität des Ulmer Biomülls ist seit Jahren
problematisch. Schon der frühere Verwerter aus Heidenheim hatte der Stadt den
Vertrag gekündigt, weil der Anteil an Plastik und anderen Fremdstoffen zu hoch
war. Auch der jetzige Entsorger, der BEM Umweltservice (Zweigstelle
Obersontheim), klagt über massive Verunreinigungen: Plastiktüten, Windeln,
Feuchttücher, Glas, Metalle und sogar Restmüll landen regelmäßig in der braunen
Tonne.
Diese Entwicklung hat nicht nur ökologische, sondern auch
finanzielle Folgen:
- Der Anteil der Störstoffe lag zuletzt im Durchschnitt bei 4,45 % – ab 5 % droht laut EBU eine Verdopplung der Verwertungskosten.
- Der angelieferte Biomüll ist oft so stark verschmutzt, dass ein erheblicher Teil nach der Siebung nur noch verbrannt werden kann – auf Kosten der Kommunen.
- Der Kompost, der daraus entsteht, ist teilweise mikroplastikbelastet und damit nicht mehr als Dünger verwendbar.
Trotz verschiedener Aufklärungskampagnen, der Einführung von
Gelben und Roten Karten und Bußgeldern hat sich die Situation langfristig nicht
entscheidend verbessert. Dabei stehen ab Mai neue, verschärfte gesetzliche
Vorschriften an: Liegt der Fremdstoffanteil über drei Prozent, dürfen Verwerter
die Annahme künftig verweigern.
Andere Städte gehen deshalb neue Wege:
In Reutlingen werden Müllwagen inzwischen mit KI-basierten
Kameras und Sensoren ausgestattet. Diese erkennen Störstoffe in Biotonnen schon
beim Schüttvorgang und dokumentieren sie. In Kombination mit einer klaren
Rückmeldung an die Bürgerinnen und Bürger (grüne, gelbe und rote Aufkleber)
konnte der Anteil der beanstandeten Tonnen dort von über 20 % auf nur noch 3 %
gesenkt werden.
Vor diesem Hintergrund stellen wir folgenden Antrag, die
Stadtverwaltung wird gebeten zu prüfen:
- ob der Einsatz von KI-gestützten Müllfahrzeugen zur Kontrolle der Biotonnen auch in Ulm sinnvoll und wirtschaftlich realisierbar ist,
- ob eine Pilotphase – z. B. in besonders betroffenen Stadtteilen – erprobt werden kann,
- welche Synergien mit den bereits geplanten Sichtkontrollen der EBU bestehen,
- wie die Bürgerinnen und Bürger durch eine begleitende Informationskampagne stärker einbezogen und sensibilisiert werden können,
- welche Fördermittel von Land, Bund oder EU für ein solches Pilotprojekt in Anspruch genommen werden könnten.
Der Ulmer Biomüll droht sonst zum Kosten- und Umweltproblem
zu werden. Eine dauerhaft hohe Fremdstoffquote gefährdet nicht nur die
Kompostqualität, sondern kann über steigende Entsorgungskosten direkt auf die
Gebühren für alle Biotonnen-Nutzerinnen und -Nutzer durchschlagen.
Die bisherigen Maßnahmen reichen offenbar nicht aus, um
nachhaltige Verhaltensänderungen zu erreichen. KI-basierte Systeme können hier
einen entscheidenden Unterschied machen: Sie sorgen für objektive Kontrolle,
transparente Rückmeldung und gerechte Konsequenzen – und sie bieten die Chance,
Ulm als innovative und umweltbewusste Kommune zu positionieren, die
Digitalisierung gezielt für ökologische Ziele nutzt.
Ziel sollte sein, dass Ulm wieder sauberen und verwertbaren
Biomüll liefert. Damit lassen sich höhere Entsorgungskosten vermeiden, die
Kompostqualität verbessern und unnötige Belastungen für Bürgerinnen und Bürger
verhindern. Eine moderne und nachvollziehbare Kontrolle der Biotonnen kann
helfen, dauerhaft bessere Ergebnisse zu erzielen und die geplanten
Sichtkontrollen der EBU sinnvoll zu ergänzen.