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Aussetzung der Räumung unter der Eisenbahnbrücke (04.08.2025)

Die Situation wohnungsloser Menschen in Ulm spitzt sich weiter zu. Die angespannte Lage unter der Eisenbahnbrücke hat in den letzten Wochen erneut gezeigt, wie groß der Handlungsdruck ist. Und dennoch bitten wir Sie hiermit, die zum 06. August geplante Räumung um sechs Wochen zu verschieben.

Wir wissen, dass Menschen, die auf der Straße leben, oft mehrfach belastende Lebensrealitäten haben. Maßnahmen wie die Räumung, die ordnungspolitisch motiviert sind, greifen hier zu kurz. Die bisherigen Angebote der Stadt Ulm an die Bewohnenden der Zelte scheinen nicht ihren Bedürfnissen zu entsprechen.

Die Entscheidung für bestimmte Wohnformen obliegt den Menschen selbst. Dennoch sehen auch wir, dass die hygienischen und gesundheitlichen Bedingungen vor Ort nicht mehr tragbar sind – nicht aus moralischer Überheblichkeit, sondern weil wir als Stadt in der Verantwortung stehen, Menschen zu schützen, ohne über sie hinweg zu entscheiden. Dieses Spannungsfeld erfordert einen sensiblen, respektvollen und partizipativen Umgang mit allen Beteiligten.

Wir beantragen daher:

  1. Die Aussetzung der Räumung des Zeltlagers unter der Eisenbahnbrücke für sechs Wochen über den 06. August hinaus, um erneut Zeit für individuelle, nachhaltige Lösungen im Dialog mit den betroffenen Personen zu gewinnen und um zu verhindern, dass sich ihre ohnehin prekäre Lebenssituation weiter verschärft.
  2. Die Prüfung, ob leerstehende, bereits geräumte, aber noch nicht sanierte oder abgerissene städtische Gebäude vorübergehend Obdachlosen zur Verfügung gestellt werden können.
  3. Den Ausbau des Zugangs zu sanitären Anlagen, etwa durch zusätzliche Einrichtungen im Innenstadtbereich, als Ergänzung zu bestehenden Angeboten in der Bessererstraße und im Übernachtungsheim.

Ulm hat bereits viele Angebote etabliert, auf die wir aufbauen können und die wir ausdrücklich unterstützen, zum Beispiel die medizinische Versorgung für Menschen ohne Krankenversicherung durch die Clearingstelle des DRK und Medinetz, die Förderung von Sozialarbeit und Streetwork, die Indexierung und Stärkung für soziale Träger, die Menschen ohne festen Wohnsitz beraten und begleiten.
Diese Maßnahmen bilden eine wichtige Grundlage, gleichzeitig müssen sie ausgebaut und auf neue Entwicklungen hin angepasst werden. Besonders mit Blick auf die wachsende Zahl immer jünger werdender wohnungsloser Menschen mahnt uns die aktuelle Lage zu entschlossenem Handeln.