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Ulrich Metzger zur Umbenennung des Hermann-Stehr-Wegs

Die GRÜNE JUGEND hat sich intensiv mit bis heute sichtbaren Spuren des Nationalsozialismus in Ulm auseinandergesetzt. Diese Beschäftigung hatte im März 2022 einen Antrag der GRÜNEN Fraktion auf Umbenennung des Hermann-Stehr-Wegs auf dem Eselsberg zur Folge.

Archivausschnitt: Hermann Stehr im Gespräch mit Dr. Joseph Goebbels
Hermann Stehr (1864 bis 1940) wurde in Niederschlesien geboren und war Lehrer und Dichter. Er gehörte in den 20er Jahren dem demokratischen Liberalismus an, doch unterstützte er das NS-Gedankengut von dem Augenblick an, da es politischen Einfluss gewann. Möglicherweise sah er darin die Chance, seine bis dahin mäßig erfolgreiche Schriftstellerkarriere zu befördern. Stehr rechtfertigte die Morde anlässlich der Röhm-Affäre, unterstützte die Übertragung der Befugnisse des Reichspräsidenten auf Hitler, beteiligte sich an den Bücherverbrennungen und legitimierte in politischen Stellungnahmen mehrfach die Handlungen der Nationalsozialisten. Das NS-Regime wiederum dankte ihm dies durch finanzielle Förderungen und Auszeichnungen. Ab 1935 war er Reichskultursenator und dadurch Funktionsträger im nationalsozialistischen Regime.
 
Zu seinen markanten Äußerungen gehörte der 1938 verfasste Satz:
 „Uns sollen die Zähne ausfallen und Zunge im Munde verdorren, wenn wir am
10. April nicht dem Führer und seinen Taten ein begeistertes Ja zurufen.“

Zu den Ulmer Kriterien, nach denen eine Würdigung in Form einer Straßenbenennung nicht angemessen ist, gehört u. A. die „politische Propagierung von NS-Gedankengut, Rassismus, rassischem Antisemitismus, völkischem Nationalismus und anderen menschenverachtenden Ideologien“.
Dieses Kriterium trifft unseres Erachtens auf Hermann Stehr in vollem Umfang zu.

Ohne Frage war Stehr im NS-Staat ein kleines Licht. Er war nicht in Entscheidungsprozesse eingebunden, die zu „Verbrechen gegen die Menschlichkeit“ (auch dies ein Kriterium der Stadt Ulm zur Umbenennung) geführt haben.
Dennoch gehörte er zum nützlichen kulturellen Umfeld, dessen sich der NS-Staat zur Legitimierung und Stabilisierung seiner Macht bedienen konnte.

Die Universität Breslau hat ihre während der NS-Zeit verliehene Ehrung Stehrs wieder zurückgezogen. Die Städte Frankfurt am Main, Schweinfurt und Münster haben Hermann-Stehr-Straßen umbenannt.

Die GRÜNE Fraktion arbeitet darauf hin, diesem Beispiel zu folgen.
Sie ist dankbar, dass die RPG Eselsberg und Evangelische Lukasgemeinde als prominenteste Adresse des Hermann-Stehr-Weges bereit sind, mit den Anwohnerinnen und Anwohnern und interessierten Bürgerinnen und Bürgern des Eselsberg in einen Diskussionsprozess einzutreten, dessen Ergebnis die AG Straßennamen der Stadt Ulm bei Ihrer Empfehlung an den Gemeinderat berücksichtigen wird.
Die Fraktion dankt der GRÜNEN JUGEND herzlich für diese Initiative.