Gemeinderat Eschwiesen III
© Gruene Fraktion Ulm
Gemeinderat vom 15.10.2025
TOP 6 Bebauungsplan "Eschwiesen
III" im Stadtteil Wiblingen - Rede von Banu Cengiz Öner
Sehr geehrter
Herr Oberbürgermeister,
Sehr geehrte
Frau Bürgermeisterin,
Sehr geehrte
Herren Bürgermeister,
liebe
Kolleginnen und Kollegen,
sehr geehrte
Damen und Herren,
wir stehen auch
auf kommunaler Ebene vor großen Herausforderungen, nicht nur finanziell,
sondern ganz besonders im Bereich Wohnen.
Ja, wir kämpfen
mit finanziellen Engpässen. Aber eine der drängendsten Aufgaben unserer Zeit
ist und bleibt: die Schaffung von Wohnraum besonders bezahlbarem Wohnraum.
Wohnen ist kein
Luxus. Wohnen ist ein Grundbedürfnis für alle Menschen.
Und: Wie wir
wohnen, beeinflusst maßgeblich unser Wohlbefinden, unser Zugehörigkeitsgefühl,
unsere Lebensqualität.
Wohnen
entscheidet mit darüber, ob Integration gelingt, ob Familien zusammenleben
können, ob Firmen Mitarbeiter finden können, ob unsere Stadt weiterhin für alle
attraktiv
ist.
Deshalb ist
klar: Wohnpolitik ist immer auch Sozialpolitik.
Und gerade in
diesem Bereich ist der Handlungsdruck enorm.
Die Zahlen
sprechen für sich. Nur bei der UWS stehen derzeit fast 5.000 Menschen auf
der Warteliste. Gleichzeitig steigen die Mieten stetig. Es sind nicht nur junge Familien, die
bezahlbaren Wohnraum brauchen auch Studierende, junge Berufstätige,
Alleinerziehende, Alleinverdienende und all jene, die nicht über ein hohes
Einkommen verfügen. Sie alle sind auf bezahlbare Wohnungen angewiesen.
Sie
alle zählen auf uns.
Und gleichzeitig
dürfen wir den Blick für das große Ganze nicht verlieren. Unsere Ressourcen
sind endlich.
Jeder
Quadratmeter, den wir versiegeln, geht der Natur verloren und damit auch dem
Klima.
Wir stehen also
zwischen zwei Verantwortungen. für bezahlbaren Wohnraum und für den Erhalt
unserer Lebensgrundlagen.
Beide
Ziele sind legitim. Beide Ziele müssen zusammengedacht werden.
Ja, wir haben in
der Vergangenheit Kompromisse gefunden.
Aber die
Realität hat sich verändert.
Der
Wohnraummangel ist größer geworden. Die Klimakrise ist dringlicher geworden.
Deshalb ist es
unsere Pflicht, unsere Entscheidungen von gestern heute noch einmal zu
überdenken.
Nicht
nur im Eschwiesenweg, sondern überall, wo wir verbessern können.
Heute haben wir
diese Möglichkeit.
Wenn
wir den Bebauungsplan jetzt anpassen, verlieren wir vielleicht sechs Monate,
aber wir gewinnen rund 100 zusätzliche Wohneinheiten.
Und wir wissen:
Der Wohnraummangel betrifft nicht nur den sozialen Zusammenhalt, sondern hat
auch direkte Auswirkungen auf unsere Wirtschaft. Als wir uns mit Unternehmen im
Donautal getroffen haben, war der Mangel an Wohnraum ein zentrales Thema,
gerade bei der Frage, wie man dringend benötigte Fachkräfte nach Ulm holen
kann. Und ohne Fachkräfte hat unsere Stadt ein echtes Problem.
Der Standort
Eschwiesen ist wie gemacht dafür:
Gute
Nahversorgung, Schulen, medizinische Infrastruktur, öffentlicher Nahverkehr und
die Nähe zum Donautal.
Es geht nicht
darum, etwas zu verbieten.
Es geht darum,
klug zu gestalten.
unsere Ressourcen zu schützen,
unsere Felder zu erhalten, die wir für Lebensmittel brauchen
unseren sozialen Zusammenhalt zu stärken,
und das soziale Klima in unserer Stadt zu bewahren.
Deshalb sind wir
dafür, einen Teil der geplanten Reihenhäuser durch Geschossbau zu ersetzen.
Einige Reihenhäuser bleiben ja erhalten
Ich möchte aber
auch noch etwas ganz deutlich sagen:
Geschosswohnungsbau
oder geförderter Wohnraum heißt nicht sozialer Brennpunkt.
Diese Behauptung
ist nicht nur sachlich falsch. Sie ist auch eine klare Abwertung der Menschen,
die dort wohnen oder künftig dort wohnen werden.
Und das, meine
Damen und Herren, können und dürfen wir uns als Stadtgesellschaft nicht
leisten.
Diese
Menschen sind Teil unserer Stadt. Sie sind unsere Nachbarinnen und Nachbarn.
Sie sind Ulmerinnen und Ulmer.
Liebe Kolleginnen
und Kollegen,
wir alle tragen
hier Verantwortung, für das Ulm von heute und für das Ulm von morgen.
Für eine Stadt,
in der sich auch die kommenden Generationen ein gutes, bezahlbares und
klimaverträgliches Leben aufbauen können.
Lassen
Sie uns diese Verantwortung annehmen mit Weitblick, mit Mut und mit dem festen
Willen, Ulm weiter lebenswert zu gestalten.
Vielen Dank