Strategien gegen Einsamkeit
© Moritz Reulein
Gemeinderat vom 29.04.2026
TOP 5 Strategien gegen Einsamkeit
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Rede von Yelizaveta Strelkowa
Wir haben uns im Vorfeld zu dem Tagesordnungspunkt " Strategien gegen
Einsamkeit" die Frage gestellt, ob Einsamkeit wirklich ein politisches
Thema ist oder nicht vielmehr ein individuelles und persönliches. Doch sowohl
der vorliegende Bericht als auch die Studienlage machen deutlich, dass es sich
keineswegs um ein Problem einzelner Menschen handelt. Die gesellschaftlichen
Folgekosten von Einsamkeit sind immens, sei es durch Arbeitsausfälle oder durch
gesundheitliche Auswirkungen.
Es ist tragisch, dass wir erst am Anfang
stehen, das Phänomen Einsamkeit und seine Konsequenzen umfassend zu verstehen,
obwohl die Folgen bereits jetzt gravierend sind. So zeigt etwa die Studie
„Extrem Einsam“ des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und
Jugend, dass einsame Menschen signifikant anfälliger für rechte Ideologien und
Einstellungen sind. Dieser Zusammenhang ist so deutlich, dass sich die Frage,
ob Einsamkeit ein politisches Thema ist, für uns nicht mehr stellt. Wenn ein
scheinbar alltägliches Phänomen unsere Demokratie gefährden kann, dann muss es
zwangsläufig politisch behandelt werden.
Hinzu kommt, dass heute entgegen gängiger
Klischees nicht nur ältere Menschen, sondern zunehmend auch junge Menschen von
Einsamkeit betroffen sind. Spätestens damit wird klar, dass wir uns auch auf
kommunaler Ebene intensiv mit diesem Thema befassen müssen.
Im Netzwerk gegen Einsamkeit haben wir zudem
diskutiert, ob Angebote gegen Einsamkeit ausdrücklich für „einsame Menschen“
gekennzeichnet sein sollten. Denn eine solche Kennzeichnung könnte Betroffene
dazu zwingen, sich als einsam zu outen. Obwohl Einsamkeit ein weit verbreitetes
Phänomen in unserer Gesellschaft ist, ist sie für viele Menschen mit Scham und
Stigmatisierung verbunden.
Diese Stigmatisierung zeigt sich auch darin, wie spät die Politik das Thema
aufgegriffen hat, obwohl Einsamkeit keineswegs neu ist. Auch wenn sie in den
letzten Jahren neue Dimensionen angenommen hat. Der Spannungsbogen zwischen dem
notwendigen genauen Hinsehen und der Gefahr, Betroffene ungewollt zu
exponieren, bleibt dabei eine Herausforderung, für die es bislang weder im
Netzwerk gegen Einsamkeit noch in der Gesellschaft insgesamt eine abschließende
Antwort gibt.
Als
GRÜNE Fraktion begrüßen wir ausdrücklich, dass die Stadt Ulm und die
Stadtverwaltung dieses Thema ernst nehmen und sich ihm aktiv widmen. Wir sind
überzeugt, dass Investitionen in die mentale und soziale Gesundheit unserer
Gesellschaft sich langfristig auszahlen. Für unsere Demokratie ebenso wie für
die Lebensqualität in Ulm, das für alle Menschen, auch für einsame, ein
lebenswerter Ort sein soll.